Kriminalerzählungen
Hier erzählt ein Kriminalbeamter aus seiner Praxis; ein ehemaliger Polizist berichtet von den Schwierigkeiten und Anfechtungen seines Berufes. Er gibt ein anderes Bild als es vielen Lesern lieb und vertraut ist.
Vorwort
von Volker W. Degener
Kriminalerzählungen – da denkt man als Leser unwillkürlich an Geschichten über lässige Supermänner und Pistolenduelle, an elegante Frauen und schnelle Autos, an trickreiche Kommissare. Da denkt man weniger an die Opfer von Gewalttaten oder an schlichte Verfehlungen und ihre Ursachen, weniger an Männer und Frauen, deren tägliche Aufgabe Kriminalitätsbekämpfung heißt. Ihre Wirklichkeit sieht selten so aus, wie sie oft beschrieben wird. Das zeigt der Autor dieses Buches, Reinhard Bottländer. In seinen Geschichten werden Kriminalbeamte und Polizisten so dargestellt, wie sie tatsächlich sind. Menschen, die eine Menge Macht und Verantwortung haben. Sie fühlen sich nicht als die großen Helden. Manchmal geraten sie in Zweifel an den Sinn ihres Berufs. Wenn das unmittelbar erlebte sie überrollt, schämen sie sich auch nicht ihrer Tränen. Trotzdem stehen sie ihren Mann, und was sie erleben, ist es durchaus wert, als Stoff für spannende Erzählungen zu dienen.
Reinhard Bottländer ist ein junger, neuer Autor. Er schreibt vornehmlich für junge Menschen. In seinem Buch, seinem zweiten, hat er sich an schwierige Themen herangewagt. Aber er ist den literarischen Anforderungen dieses Genres gewachsen. Was sonst möglicherweise zu purer Sentimentalität gerinnen könnte, bringt er anschaulich und mit präziser Sprache zu Papier.
Ein Junge stirbt nach einer Messerstecherei. Illegal eingewanderte Gastarbeiter werden rücksichtslos ausgebeutet. Für das flotte Leben seiner Frau wandert ein geschiedener Ehemann ins Gefängnis. Ein schießwütiger Mann hat sich in seiner Wohnung verbarrikadiert. Bei der Festnahme eines Täters wird ein Kriminalbeamter niedergeschossen. Das Mädchen Bettina stirbt als Rauschgiftsüchtige. Ein Terroristenüberfall auf einem Flugplatz. Ein Präzisionsschütze der Polizei steht vor der Entscheidung, auf einen geiselnehmenden Bankräuber zu schießen. Eine schlimme Nachricht ist zu überbringen. Im Namen des Volkes wird die ganze Familie verurteilt. Der Versuch einer Resozialisierung, die dann doch scheitert. Ein Rocker wird von einem falschen Verdacht befreit.
Die Menschen, die in Reinhard Bottländer Kriminalerzählungen vorkommen, sind so lebensecht dargestellt, dass man sich als Leser mit ihnen identifizieren kann. Nicht der schöne Schein einer abenteuerlichen Handlung fesselt ihn, sondern die realistische Schilderung menschlicher Probleme der Gegenwart.
ISBN 3 7903 0262 7